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1. Juli 2026

Erst das Eigenheim, die Vorsorgeplanung kommt später. Eine Entscheidung mit langem Schatten

92 Prozent der unter 30-Jährigen in Deutschland möchten eine eigene Immobilie kaufen. Kaum eine Zahl macht deutlicher, wie tief der Wunsch nach den eigenen vier Wänden verankert ist. Und er ist verständlich – ein Eigenheim bedeutet Unabhängigkeit, Gestaltungsfreiheit, ein Stück Sicherheit.

Was sich verändert hat, ist der Preis dieser Entscheidung. Nicht nur finanziell.

Zwei Ziele, ein Topf

Früher war die Gleichung einfacher. Wer in den 2000er und frühen 2010er Jahren eine Immobilie finanzierte, tat das zu Zinsen, die heute kaum vorstellbar sind und konnte gleichzeitig noch Spielraum für die Altersvorsorge lassen. Die erwartete Tilgungsdauer für Immobilienkredite markierte 2015 einen Tiefpunkt. In den Folgejahren zogen zwar die Immobilienpreise an, der Zinsverfall und die Einkommenszuwächse konnten die steigenden Preise jedoch weitestgehend kompensieren. Erst mit den gestiegenen Zinsen des Jahres 2022, die von steigenden Energie- und Sanierungskosten begleitet wurden, wurde der Kauf einer Immobilie erheblich erschwert. Die erwartete Tilgungsdauer schoss in die Höhe und erreichte 37 Jahre im Jahr 2022. Inzwischen hat sie sich zwar wieder auf rund 28 Jahre eingependelt, aber das Niveau von vor zehn Jahren ist noch weit entfernt.

Das bedeutet: Wer heute ein Eigenheim finanziert, bindet einen erheblichen Teil seines monatlichen Budgets über Jahrzehnte. Eigenheim und Altersvorsorge greifen auf denselben Topf zu, auf das Geld, das am Monatsende übrig bleibt. Wer das eine voll bedient, schiebt das andere automatisch nach hinten. Oft nicht um Monate, sondern um ein Jahrzehnt.

Was auf dem Spiel steht

Altersvorsorge ist im Wesentlichen eine Funktion der Zeit. Wer früh anfängt, profitiert vom Zinseszinseffekt, einem der wenigen Mechanismen in der Finanzplanung, der wirklich exponentiell wirkt. Wer zehn Jahre später beginnt, holt diesen Vorsprung nicht mehr auf, egal wie hoch die monatlichen Beträge später sind. Zeit ist der einzige Hebel, den man später nicht zurückkaufen kann.

Gleichzeitig steht das gesetzliche Rentensystem unter Druck. Die Alterssicherungskommission hat im Juni 2026 ihre Empfehlungen vorgelegt. Kernvorschlag ist eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung, ab 2032 soll es schrittweise angehoben werden. Gleichzeitig soll die bisherige Möglichkeit, früh ohne Abschläge in Rente zu gehen, wegfallen. Wer heute 30 ist, wird voraussichtlich länger arbeiten und weniger aus der gesetzlichen Rente erhalten als die Generation davor. Die private Vorsorge wird damit nicht zur Ergänzung, sie wird zur Notwendigkeit.

Was ich in der Beratung beobachte

Der Moment, in dem das Thema Vorsorge plötzlich Dringlichkeit bekommt, kommt bei vielen früher als erwartet. Manchmal ist es der Blick auf das Konto, wenn nach Kauf oder Renovierung die Ersparnisse des ersten Berufsjahrzehnts aufgebraucht sind. Manchmal ist es die Zinsbindung, die ausläuft, und auf einmal der Ruhestand näher wirkt als gedacht.

Manche schaffen es, beides parallel zu bespielen, kleinere Beträge in die Vorsorge, der Rest in die Finanzierung. Das ist möglich, aber es ist keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Struktur, frühzeitige Entscheidungen und das Bewusstsein, dass man zwei Ziele gleichzeitig verfolgt.

Was ich damit sagen möchte

Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, was richtig ist. Das Eigenheim kann eine sinnvolle Entscheidung sein, auch als Teil der Altersvorsorge. Aber die Reihenfolge trifft man nicht von selbst. Man trifft sie, bewusst oder unbewusst.

Wer sich das bewusst macht, bevor die erste Unterschrift unter einen Kreditvertrag gesetzt wird, hat mehr Spielraum als jemand, der es fünf Jahre später nachholt.

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